Japan als Land der wieder aufgehenden Sonne
Die aktuelle Industrie-Stärke beruht vor allem auf einer vorgezogenen Produktionsausweitung zur Lageraufstockung, um energieseitigen Preisdruck sowie Liefereinschränkungen abzufedern. Bei zunehmender Dauer der Iran-Krise werden konjunkturelle Reibungsverluste jedoch nicht ausbleiben. Dienstleister bekommen den Kaufkraftverlust durch steigende Energiepreise bereits zu spüren.

Diesem Ungemach wirkt Tokio mit neuen Bezugsquellen für Energie (USA und Australien), Entlastungen für Haushalte sowie staatlichen Strukturinvestitionen von umgerechnet 136 Mrd. US-Dollar entgegen. Diese Fiskalimpulse für 17 strategische Schlüsselindustrien - vor allem Technologie, Rohstoffversorgung und Verteidigung - werden von für Japan untypischen Strukturreformen begleitet. Das im globalen Vergleich bislang unbefriedigende Wachstumspotenzial Japans soll endlich gehoben werden. Japans Aktien bezahlen diese positive Zukunft und belegen international den Spitzenplatz.
Grafik der Woche

Trotz Stabilitätsrisiken glänzen japanische Aktien
Unterpfand dieser schönen neuen Wirtschaftswelt ist die japanische Notenbank, die die Finanzierung der neuen Staatsverschuldung übernimmt. Schon jetzt hält sie rund die Hälfte aller japanischen Staatsanleihen. Wegen Überschuldung ansonsten drohende Stabilitätsrisiken und zur Sicherung der Schuldentragfähigkeit sieht sie sich weiter zur Zinsdrückung gezwungen. Am kurzen Ende sorgt sie für Zinsen, die unterhalb der Inflation liegen. Und beim Liquiditätsabzug ist sie deutlich weniger streng als die Fed und die EZB, was den Aufwärtsdruck von Renditen längerer Laufzeiten dämpft.

Abseits von Lippenbekenntnissen ist Inflationsbekämpfung kein prioritäres Ziel. Schließlich hilft die Wiederkehr der Inflation beim Schuldenmanagement. Tatsächlich liegt das nominale Wachstum über den Zinskosten, was die Entschuldung vorantreibt. Laut IWF könnte Japans Staatsverschuldung von aktuell 215 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 193 im Jahr 2030 sinken.
Zur Freude der japanischen Exportwirtschaft bleibt der Yen trotz zwischenzeitlicher Stützungsversuche am Devisenmarkt schwach. Geduldete Preissteigerungen und Yen-seitig importierte Inflation führen eine Aufblähung japanischer Unternehmensgewinne auch in momentan weltwirtschaftlich schwerer Zeit herbei, was die fundamentale Aktienfantasie unterstützt.
Unabhängig davon fördert die Entflechtung von Großkonglomeraten die Verbesserung der Produktivität, Transparenz, Wettbewerbsoffenheit und einen gezielteren Kapitaleinsatz.
Auf 12-Monats-Sicht führt das im japanischen Aktienindex Topix zu stabilen Gewinnerwartungen. Allerdings liegen diese wegen noch größerer KI-Fantasie und Rohstoffvorkommen in den USA und in den Schwellenländern noch höher.

Immerhin liegt die durchschnittliche japanische Gewinnrendite abzüglich der Staatsanleiherendite als Risikoprämie immer noch deutlich über der der USA. Aktionäre werden für eingegangene Risiken höher „entschädigt“.

Insgesamt bleiben japanische Aktien auch aufgrund der internationalen Risikodiversifizierung eine attraktive Depotbeimischung. Gewiss sind sie im Bewertungsvergleich zum Durchschnitt der letzten 10 Jahre keine Schnäppchen mehr. Zwischenzeitliche Konsolidierungen müssen mit Blick auf die im Trend seit April 2025 anhaltende Hausse einkalkuliert werden.

Wer investiert, sollte den Fokus auf substanzstarke Aktien mit ertragreichen Geschäftsmodellen und stabilen Cashflows richten, die im Zentrum der strukturellen Neuausrichtung der Wirtschaft stehen.
Konkret sind dies Industriewerte aus dem Maschinenbau, die von strategischen und Sicherheitsinvestitionen in Rüstung, Schiffbau und Schwerindustrie profitieren. Die geopolitische Konfliktlage sorgt ebenso für eine verstärkte Auslandsnachfrage. Banken profitieren von ihrer gesteigerten Rentabilität nach Ende der japanischen Negativzinsen. Der Ausbau von Netzwerken durch strategische Partnerschaften kommt Handelsunternehmen zugute. Ebenso muss sich High-Tech mit Werten aus den Bereichen Elektrotechnik und Halbleiter zukünftig auch nicht verstecken. Nach einer Verschnaufpause seit November 2025 ist neben der internationalen Fantasie auch der volkswirtschaftliche Nachholbedarf bei der nationalen Digitalisierung ein Treiber japanischer Tech-Werte.

Hinkefuß für Euro- oder Dollar- Anleger ist hingegen die Yen-Schwäche der letzten Jahre, die ordentlich Performance kostete. Dennoch ist die Rendite auch währungsbereinigt sehr ordentlich.

Marktlage - Die Aktienmärkte sind ziemlich antikrisenbeschichtet
Die Möglichkeit zumindest einer Absichtserklärung der USA und des Iran zur Beendigung des Krieges sorgt für große Börsenfreude. Innerhalb einer 30-tägigen Verhandlungsfrist bei gleichzeitig schrittweiser Auflösung der Blockade von Hormuz könnten konkrete Details ausgehandelt werden. Knackpunkt bleibt das Moratorium für das Atomprogramm, das dem Iran im Gegenzug Sanktionserleichterungen und Zugang zu bislang eingefrorenen Vermögenswerten gewähren soll.
Beide Kriegsparteien haben aus (wirtschafts-)politischen Gründen ein hohes Interesse daran, den Konflikt zu beruhigen. Der Blick auf die miserablen Umfragewerte vor der US-Zwischenwahl im November führt bei Trump zu realpolitischer Einsicht. Im Übrigen ist nichts teurer als sein Krieg. Und der Iran ist in großer wirtschaftlicher Not.
Das große Handicap für eine Lösung ist, dass die USA und der Iran ihr Gesicht wahren wollen. Mit einer Art Wiener Nuklearvereinbarung würde Amerika zu einem Abkommen zurückkehren, das Trump 2018 noch als „schlechtesten Deal aller Zeiten“ aufgekündigt hat. Und der Iran will angesichts der Tatsache, dass die größte Militärmacht der Welt das Land bislang nicht niederringen konnte, keine harten US-Bedingungen akzeptieren.
Und dennoch, im Schneckentempo scheint sich der Konflikt der Not gehorchend Richtung Lösung zu bewegen. Zwischenzeitliche Enttäuschungen - z.B. militärische Scharmützel - können zu erhöhter Aktien-Volatilität führen. Der Hochpunkt scheint aber hinter uns zu liegen.

Unabhängig von der militärischen Entwicklung sprechen Anpassungen an den Konflikt für energieseitige Entspannungen. Um langfristig nicht auf Importe aus der geopolitisch fragilen Golfregion angewiesen zu sein und um handelspolitisch Entgegenkommen zu signalisieren, sind die US-Exporte von Öl und -produkten insbesondere Richtung Asien und Europa deutlich angestiegen.
Ebenso werden geopolitisch weniger umstrittene Weltregionen wie Lateinamerika als Energielieferanten an Bedeutung gewinnen. Für Entspannung spricht zudem der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC seit 1. Mai. Sie wollen sich nicht mehr an die Knute von Quoten und Förderbeschränkungen halten, sondern nach eigenem Ermessen liefern. Längerfristig ist mit einem weiteren Erodieren des Öl-Kartells zu rechnen, was die Verfügbarkeit von Öl erhöht und für günstigere Preise spricht.
Fundamentale Kraft erhalten die Aktienmärkte ebenfalls von der Berichtssaison für das I. Quartal 2026 mit bislang Branchen übergreifend weitestgehend positiven Vorzeichen. US-Unternehmen vor allem im High-Tech-Sektor können in puncto Gewinn spürbar überraschen, selbst wenn der Himmel nicht bei allen erreicht wird. Auch Europa zeigt sich hier absolut überdurchschnittlich, wenn auch relativ verhaltener.
Zwar kann kein Unternehmen derzeit eine verlässliche Prognose abgeben, wie sich die Energiekrise auf die Geschäftslage auswirkt. Das kann vorübergehend für fundamentale Irritationen sorgen. Doch lässt sich gemäß der vom Analyse-Institut Sentix ermittelten Konjunkturerwartungen für die nächsten sechs Monate immerhin eine wirtschaftliche Stabilisierung in Asien, den USA und Europa ablesen. Nur Deutschland erstarrt in rezessiver Ohnmacht. Während unsere Wirtschaft seit Ende 2019 nur um 0,8 Prozent zulegen konnte, schlägt in der Eurozone ein Wachstum von sieben und in den USA von 15 Prozent zu Buche. Strukturreformen bleiben zwingende Voraussetzung für die von der Bundesregierung vor Jahresfrist in Aussicht gestellte „Wirtschaftswende“. Mit übertriebener Staatswirtschaft fahren wir an die Wand.
Diese Klippe umschiffen Unternehmen jedoch immer mehr mit dem Exodus in wirtschaftsfreundlichere Standorte, was zu positiven Kursaufschlägen führt.

Insgesamt wird auch der Iran-Krieg trotz Kursschwankungen nicht an der langfristigen Erfolgsstory von Aktien rütteln. Schließlich sind die Zutaten für eine Fortsetzung der Rallye trotz zwischenzeitlicher Reibungsverluste vorhanden. Anleger sollten dem Aktienmarkt mindestens mit regelmäßigen Ansparplänen treu bleiben.
Sentiment und Charttechnik DAX - Buy the dips
Noch liegt der DAX unter seinem Allzeithoch. Die Anleger warten noch ab. Umgekehrt bewegt sich der von CNN Business veröffentlichte Fear & Greed Index nicht dramatisch im Bereich der Gier und deutet kurzfristig nicht auf großes Drohpotenzial für die richtungsgebenden US-Aktienmärkte hin.

Eine anhaltend überdurchschnittlich hohe Investitionsquote von US-Fondsmanagern spricht außerdem dafür, dass smart money die bekannten Risiken eingepreist hat.
Daher bieten Rücksetzer wieder günstigere Kaufgelegenheiten.
Charttechnisch liegen auf dem Weg nach oben Widerstände bei 24.665, 24.780, 24.790 und 25.150 Punkten. Darüber befinden sich die nächsten Barrieren bei 25.185, 25.275 und 25.285. Auf der Unterseite liegen erste Unterstützungen bei 24.400, 24.165 und 24.115. Darunter folgen Haltelinien bei 23.825 und 23.715 Punkten.
